Fränkischer Sommer - Musica Franconia
Sonntag, 18. Juli 2010, 17 Uhr in Nürnberg, Stadtteil Johannis

1.4 Musikalische Wanderung

mit Werken von J. E. Kindermann

Corinna Schreiter Sopran
Michael Kämmle Csakan (Spazierstockflöte)
Axel Wolf Biedermeiergitarre

kaemmle„Melodien, wie die Nachtigall sie flötet ...“
Originalkompositionen und Arrangements für
Csakan und Guitarre

Der Csakan war im frühen 19. Jahrhundert nicht nur in Wien sondern auch in Nürnberg ein beinahe unverzichtbarer Bestandteil der Garderobe so musikbegeisterter wie modebewusster junger Herren, denn eine solche in einen eleganten Spazierstock eingebaute Flöte war der ideale Begleiter bei den beliebten Landpartien und Picknicks des Biedermeier. Unterstützt von einer ebenso leicht zu transportierenden Guitarre waren die zarten Klänge des einfühlsam gespielten Csakan aufs trefflichste dazu angetan, eine im Freien einzunehmende Kaffeetafel dezent zu umrahmen, wie die Ohren und Herzen der anwesenden Damen zärtlich zu umschmeicheln ...

„Seelen-Music“
Erbauungs- und Begräbnismusiken Nürnberger Meister
Die Volkreichen und Trübseeligen Leichenbegängnisse, wie sie etwa an dem 22. Septembr. 1658. in der Gottsackerkirchen zu St. Johannis zu Ehren des verstorbenen Poeten und Wohl-Edlen/Gestrengen/Fürsichtigen und Hochweisen Herrn Georg Philipp Harsdörffer stattfanden, wurden traditionell mit speziell für diese Anlässe komponierten Trauermusiken versehen. Die von Nürnberger Meistern wie Paul Hainlein, Heinrich Schwemmer, Sigmund Theophil Staden und Johann Erasmus Kindermann komponierten Stücke sind uns zusammen mit den Predigten und einem ehrenden Lebenslauf des jeweiligen Verblichenen in prachtvoll gedruckten und mit aufwändigen Titelkupfern versehenen Erinnerungsbüchern überliefert. Es ist Musik von einer zuweilen verblüffenden Ausdruckskraft, die bei allem Memento mori, bei aller eindringlichen Erinnerung an die Vergänglichkeit des irdischen Daseins tiefen Trost und Zuversicht ausstrahlt. Erbauung und Trost ist auch das Ziel der Seelen-Music des ebenfalls auf dem Johannisfriedhof begrabenen Sigmund Theophil Staden, der hier Geist- und Trostreiche Lieder schuf, die in allerley Anligen/ zu Erquickung und Trost der Seelen zu gebrauchen sind.
Ein originales Zeugnis für den bedeutenden Nürnberger Orgelbau jener Zeit gibt dieser Musik den zeitgerechten klanglichen Untergrund: das 1645 von Nikolaus Manderscheid in Nürnberg gebaute Positiv mit sechs Registern.

Eintritt: 18 Euro

Nürnberg,
Stadtteil Johannis

Hesperidengärten

Laut griechischer Mythologie hatten die Hesperiden (Töchter des Hesperos) die Aufgabe, die goldenen Früchte (Zitronen) der Götter zu hüten. Trotzdem gelang es Herakles diese zu rauben. Im Barock wurden die im Mittelalter angelegten Hesperidengärten - in Anlehnung an die Lustgärten des Adels - in Ziergärten umgewandelt. Neben dem Anbau südlicher Gewächse, unter anderem der obligatorischen Zitrusfrüchte, dienten die mit einer Vielzahl von Brunnen und Statuen geschmückten Gärten dem Lustwandeln und Verweilen. Durch die Initiative des Bürgervereins St. Johannis konnten die wertvollsten Exemplare barocker Gartenkunst Anfang der 1980er Jahre restauriert werden und sind heute der Öffentlichkeit zugänglich.

Johannisfriedhof
Im 10./11. Jahrhundert als Ortsfriedhof des Dörfchens St. Johannis westlich der Stadtmauer Nürnbergs angelegt, wurde der Johannisfriedhof im 13. Jahrhundert durch die Errichtung eines „Siechenkobel“ (Spital für Leprakranke) erweitert. Während der großen Pestepidemien des ausgehenden Mittelalters untersagte der Rat im Jahre 1518 jegliches Begräbnis innerhalb der Stadtmauern. Zum Schutz vor weiteren Infektionen wurden die Gräber der Sebalder Bürger nach Johannis verlagert. Der Johannisfriedhof (auch „Rosenfriedhof“) ist eine der künstlerisch wie kulturgeschichtlich bekanntesten Begräbnisstätten in Deutschland. Charakteristisch sind die liegenden, unregelmäßig gereihten Sandsteingrabmäler (das früheste aus dem Jahre 1520) sowie die dazugehörigen Messingepithapien, darunter außerordentliche Exemplare der Gießerkunst. Viele bekannte Nürnberger Größen fanden hier ihre letzte Ruhestätte: Albrecht Dürer, Veit Stoß, Adam Kraft, Willibald Pirckheimer, Hans Sachs, Martin Behaim, Georg Philipp Harsdörffer, Siegmund von Birken….

St. Johanniskirche
Die Johanniskirche, mit ihrer auffälligen ochsenblut-roten Fassade inmitten des alten Friedhofes gelegen, ist eine ehemalige Kapelle für Lepra-Kranke. Sie wurde in zwei Etappen in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts fertig gestellt und geweiht. Von der reichen Ausstattung ist besonders der gotische Hochaltar erwähnenswert. Er stammt aus den Jahren 1511-1516 und weist Gemälde des Dürer-Schülers Wolf Traut auf. Die Johanniskirche überstand als einzige Kirche Nürnbergs den 2. Weltkrieg relativ unbeschadet.
www.st-johannis-nuernberg.de

Start: Hesperidengärten,
Barockhäusle, Johannisstraße 47
90419 Nürnberg


In Zusammenarbeit mit Altstadtfreunde Nürnberg e.V

Termine
23. INTERNATIONALE FESTTAGE FÜR ALTE MUSIK NÜRNBERG: 15. bis 18. Juli 2010

Konzert 1.1: Arthur Schoonderwoerd und Ensemble Cristofori: Nürnberg, Historischer Rathaussaal, Do. 15.07. 19h
Konzert 1.2: "Paradise Lost" mit Emma Kirkby, Tim Mead u.v.m., Nürnberg, St. Sebald, Sa. 17.07. 20h
Konzert 1.3: „Faszination der fliegenden Hämmer“, GNM/ Musiksammlung, So. 18.07. 11.30h
Solo Recital (Arthur Schoonderwoerd) auf historischen Flügeln, GNM/Aufseß-Saal, So. 18.07. 15h
Konzert 1.4: Musikalische Wanderung durch den Stadtteil Johannis, Beginn: Hesperidengärten (Barockhäusle), So. 18.07. 17h