Fränkischer Sommer - Musica Franconia

Thema 2011: Minnesang und Musik um Shakespeare

Tannhäuser in "Manessische
Liederhandschrift" (Codex Manesse)
um 1300
eines hat si mir gebotten,
das ich schike ir abe den rotten
hin von provenz in das lant
ze nuerenberg, so mag mir wol gelingen.

Eines hat mir meine Dame befohlen:
dass ich ihr die Rhone umleite
aus der Provence in das Nürnberger Land,
dann mag sie mich wohl erhören.

Tannhäuser







Voller Faszination blicken wir auf die ferne Welt des Minnesangs, der höfischen Dichtung und Musik des Mittelalters: eine wohlklingende und fremde Sprache, die wir kaum verstehen, und aus der doch unser eigenes Sprechen und Denken erwachsen ist; exotisch, zuweilen beinahe orientalisch anmutende Klänge, deren herbe Schönheit uns unmittelbar anrührt, und in denen wir eine Wurzel unserer vertrauten abendländischen Musik finden.

Die meisten Minnesänger waren fahrende Ritter, die den Kaisern, Königen und Fürsten folgten und so oft mit den Kreuzzügen bis nach Palästina kamen, wo sie offen den Anregungen durch die hoch entwickelte morgenländische Musikkultur begegneten, die sie in ihre eigene Kunst aufnahmen und so in ihre Heimat brachten, die für erstaunlich viele von ihnen im fränkischen Raum lag.

So stammte etwa Wolfram von Eschenbach aus dem gleichnamigen Ort, der Tannhäuser dürfte im heute in der Nähe des Brombachsees gelegenen Thannhausen geboren sein und wurde wohl auf dem Nürnberger St. Jakobsfriedhof begraben, Süßkind von Trimberg, der als einziger jüdischer Minnesänger in die berühmte Mannessische Liederhandschrift Aufnahme fand, war aus Trimberg bei Würzburg, und Walther von der Vogelweide, der heute wohl populärste der mittelalterlichen Dichter und Sänger, soll im Kreuzgang des Würzburger Neumünsters begraben sein.

Geboren wurde hier wiederum Konrad von Würzburg, einer der letzten Minnesänger und ein wichtiges Vorbild der bürgerlichen Meistersänger, deren bekanntester Vertreter natürlich der Nürnberger Schneidermeister Hans Sachs war.

Für den Fränkischen Sommer ist das alles Anlass, die Werke dieser und anderer Minnesänger an den dazu passenden Spielstätten wieder aufzuführen und sein Publikum mit so wissenschaftlich fundierten wie sinnlichen und farbenfrohen Interpretationen renommierter Mittelalterspezialisten aus ganz Europa den Weg in eine wahrhaft lohnende Welt zu führen.

Veröffentlichungen
Hier finden Sie eine Übersicht der CD-Produktionen des Festivals "Fränkischer Sommer – Musica Franconia", z. B. mit Werken von: John Christopher Smith, Johann Pachelbel, Johann Krieger, Philipp Friedrich Buchner, Francesco Antonio Pistocchi, Johan Joachim Agrell, Valentin Rathgeber und vielen anderen.
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